8. Mitgliederversammlung des Vereins Yes we care! e.V. am 14.07.2018


 

Ein Teil der Mitglieder von Yes we care! e.V.:

Von links: Ulrich Karpinski, Irina André-Lang, Peter Lang, Ulrike Völkmann, Helga Ahlbach, Monika Witt und Elke Karpinski. In der 1. Reihe: Hündin Ayla


Am Sonntag, 14.07.18, fand in Wiesbaden-Delkenheim unsere achte Mitgliederversammlung statt. Von derzeit 23 ordentlichen Mitgliedern konnten 7 anwesend sein.

Die Entwicklung vieler Projekte an der Pitseng High School und Pontmain Primary School, die sich der Verein Yes we care! e.V. in der letzten Mitgliederversammlung vorgenommen hatte, wurden besprochen:

-          Am 7. März 2018 wurde der 11. Hilfstransport nach Pitseng mit 5 deutschen Gästen durchgeführt, unter anderem zwei unserer Mitglieder sowie einer Patin. Das Passieren der Grenze nach Lesotho war diesmal kein Problem und wir konnten schnell einreisen. Wie immer wurden Tonnen von (Schul-)Kleidung, Schreibwaren, Toiletten-Artikel, Schulranzen, Medikamente, Decken, Süßigkeiten und Obst mitgebracht.


 

-          Der Bau eines zweiten Jungeninternats (Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternat 2) wurde bei der letzten MV beschlossen, um es noch mehr Jungen zu ermöglichen, unter menschenwürdigen Bedingungen zu leben und zu lernen. Die Kapazität des ersten Internats (Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternat, kurz BMMBBF) war nicht ausreichend für alle Jungen in unserem Patenschaftsprogramm und der akademische Erfolg der Jungen, die im bestehenden Internat untergebracht sind, spricht für sich! Die Sisters of Charity hatten uns bereits am 30. Mai 2017 die offizielle Erlaubnis erteilt, ein zweites Jungenhaus neben das existierende zu bauen. Im November 2017 hat YWC die Zusage einer Förderung von 100.000,00 EUR für den Bau eines zweiten Internats für Jungen von Sternstunden e.V. erhalten!

Im Dezember 2017 wurde mit dem Bau begonnen, der für weitere 48 Jungen ausgelegt ist und zügig fortschreitet.


 

Bereits im August 2018 werden die nächsten Jungen einziehen können, auch wenn das Haus dann noch nicht mit den geplanten Solaranlagen versorgt sein wird. Die Verwirklichung der Solarprojekte verzögert sich, weil die Solarfirma erst alle Probleme mit den Solaranlagen am BMMBBF lösen muss.


 

Das größte Problem ist und bleibt die Wasserversorgung der Internate. Trotz Installierung einer Solarpumpe an ein Bohrloch auf dem Schulgelände und diverser anderer Versuche, die Versorgung mit genügend Wasser zu gewährleisten, wird es in den wasserarmen Wintermonaten weiter zu Engpässen kommen. YWC hat durch ein Bohrunternehmen feststellen lassen können, dass es zwei unterirdische Wasserstellen in der Nähe des Internats gibt, die sich gut für Bohrlöcher eignen würden. YWC steht auf der Warteliste der Regierung in Lesotho für kostengünstigere Bohrungen - bis wir an der Reihe sind, kann es aber sehr lang dauern.

Die offizielle Einweihung des neuen Jungeninternats wird am Samstag, 9. März 2018, an der Pitseng High School stattfinden. PHS wird wieder alle Vorbereitungen sowie die Durchführung übernehmen, YWC wird die Kosten decken.

 

-          Das Yes we care! e.V. – Patenschaftsprogramm (CSP) ist unser wichtigstes Programm und entwickelt sich sehr positiv. Jedes Jahr können neue PatInnen gewonnen und entsprechend immer mehr Kindern eine Schulausbildung ermöglicht werden! Ende Mai 2018 befanden sich 147 Kinder im Programm, davon nur 4 auf unserer Warteliste.


 

 

-          Mrs. Makabelo Tenane und Mpho Makhalanyane, die wir liebevoll M&M nennen, sind jeden Tag für die Patenkinder an der Schule leicht erreichbar, sie sehen und kennen sie außerdem vom Anti-Aids-Club, in dem alle unsere Patenkinder Mitglied sind. Sie kommunizieren immer schnell und produktiv mit YWC und der gesamte Ablauf des Programms läuft insgesamt problemlos!


 

Mpho Makhalanyane und Schulleiterin Makabelo Tenane

 

-          Nachdem Sr. Alice seit März 2017 aus Krankheitsgründen nicht mehr Schulleiterin der PHS ist, hat Makabelo diese Funktion für zwei Jahre übertragen bekommen, Mpho ist ihre Stellvertreterin. Momentan sieht es so aus, als ob Sr. Alice ab März 2019 diese Funktion wieder übernehmen wird.

-          Im letzten Jahr haben leider 14 unserer Patenkinder vorzeitig das Programm verlassen. Ein Junge verschwand am 13. September 2017 urplötzlich und konnte trotz intensiver und kostspieliger Suchaktionen nicht lokalisiert werden. Ein weiterer Junge ging in der zehnten Klasse und leider genau zur Examenszeit am Ende des Schuljahres 2017 in eine Initiationsschule und schrieb deshalb das wichtige JC Examen nicht! Dies ist eine schreckliche Verschwendung von Zeit, Geld und Mühen! PHS hat ein Komitee, dass sich mit diesem Problem beschäftigt: der Junge wurde aus der Initiationsschule geholt und an die Schule zurückgebracht, lief aber bei der ersten Gelegenheit davon und ging zurück zur Initiationsschule. Ein Mädchen wurde schwanger und lief mit ihrem Freund davon. Eine ganz besonders große Enttäuschung war im März 2018 die sofortige Entlassung von zwei sehr vielversprechenden Schülern, die kurz vor ihrem Abitur standen, nachdem sie ein Mädchen in einem Sport Club an der Schule schwer geschlagen hatten. 8 SchülerInnen bestanden das JC Examen nicht, ein weiterer Schüler fiel bereits in der achten Klasse durch. Dennoch haben die YWC Patenkinder in allen Jahren besser abgeschnitten als der Schnitt der PHS SchülerInnen und besser als der Landesdurchschnitt, auch im Jahr 2017!

 

Patenkinder 2018 aus der Abiturklasse und der 10. Klasse, die Ende des Jahres Examen schreiben werden


-          Wenn man bei der Examensbeurteilung die Aufteilung zwischen Jungen und Mädchen auswertet, stellt sich heraus, dass die besonders intensive Betreuung im Jungeninternat deutlich zum schulischen Erfolg der Jungen beiträgt: 87% der Jungen aus dem Patenschafts-Programm bestanden mit sehr gut oder gut ihr Examen, nur 13% schafften die Prüfung nicht.


 

Betreuer und Lehrer Mr. Paku beim Nachhilfeunterricht im Jungeninternat

 

Bei den Mädchen aus dem Programm sah dies anders aus: 71% schafften die Prüfung mit gut oder ausreichend, fast 30% fielen durch das Examen – entsprechend dem Schul- und Landesdurchschnitt. Diese Ergebnisse werden mit der Schulleitung intensiv diskutiert und Konsequenzen gezogen. Der Bau des zweiten Jungeninternats macht angesichts der Ergebnisse sehr viel Sinn, die Situation der Mädchen wurde evaluiert. Im Mädcheninternat wird die Studierzeit nicht überwacht, eine große Anzahl Schülerinnen ist sich dabei selber überlassen. Dies muss geändert werden, um bessere Schulerfolge zu gewährleisten.


 

Bedingungen während einer Studierzeit im Mädcheninternat

 

-          Viele ehemalige Patenkinder haben inzwischen mit einer tertiären Ausbildung/Studium beginnen können in folgenden Studiengängen: Betriebswirtschaftslehre, Pädagogik, Computerwissenschaften, Krankenpflege, Theologie, Jura und Bauingenieurwesen. Manche machen Ausbildungen bei der Polizei, als Schreiner oder Klempner. Bis auf einen halten alle ehemaligen Patenkinder Kontakt mit M&M und viele auch mit ihren PatInnen und Irina und Peter. Einige unserer Ehemaligen kommen auf eigene Kosten zurück an die PHS und helfen den Patenkindern durch Nachhilfe, die sich jetzt im Programm befinden, und motivieren sie, das Beste aus ihrer Chance zu machen!

 

Thabiso studiert Informationstechnologie und Mpinane Journalismus

 

-          Insgesamt 121 YWC-Patenkinder besuchten Ende Juni / Anfang Juli 2017 das siebte Help Lesotho Leadership Camp in Leribe. Für 55 dieser Schüler war dies ihre erste Erfahrung im Camp. Die restlichen 66 Studenten waren Wiederholungs-Camper, die in der Lage waren, ein tieferes Verständnis der Informationen zu gewinnen, die sie in vorigen Camps gelernt hatten. Weil die Anzahl der Patenkinder so hoch war, musste Help Lesotho sie in zwei Gruppen aufteilen, um alle unterzubringen. Die Camps wurden direkt nach Schulschluss vor der Winterpause nacheinander abgehalten. Das Camp-Thema in 2017 wurde von der UN International AIDS Day Thema inspiriert: „Hände hoch für HIV-Vermeidung“.

 

 

 

-          Es gibt mehrere Patenkinder, die als HIV-positiv bekannt sind und regelmäßig ihre lebensnotwendigen antiretroviralen Medikamente erhalten. Tuberkulose spielt weiterhin eine große Rolle: Nachdem eines unserer Patenkinder Anfang 2017 lange unbehandelt in einem Riesen-Schlafsaal im Mädcheninternat lag, wurde ein weiteres im September 2017 mit offener Lungentuberkulose diagnostiziert und musste den Rest des Schuljahres 2017 aussetzen. Wir weisen immer wieder nachdrücklich darauf hin, dass alle Jugendlichen im direkten Kontakt auf eine mögliche Ansteckung untersucht werden müssen, damit dies in Zukunft möglichst nicht mehr geschieht! Im Winter (also im deutschen Sommer) kam es zu einem Ausbruch von Windpocken unter den SchülerInnen, was besonders für immunkomprimierte Menschen eine große Gefahr darstellen kann. Ein Patenkind musste aus diesem Grund das Help Lesotho Leadership Camp verlassen und mehrere Patenkinder konnten bei Schulbeginn des zweiten Schulhalbjahres im August 2017 nicht anwesend sein. 

-          Auch 2017 erhielten alle 11 Patenkinder, die eine Brille benötigten, diese kostenlos durch die Firma Spec Savers in Südafrika, der wir dankbar sind für diese große Hilfe. Am 24. April 2018 wurden weitere 14 Patenkinder, die von Augenproblemen betroffenen sind, kostenlos in Maseru beim Optiker untersucht, die anschließende Anfertigung der Brillen für 8 von ihnen ist erfolgt.

 

 

-          Wir besuchten alle Patenkinder zweimal in Pitseng: im November 2017 und im März 2018. Auch PatInnen besuchten erneut ihre Patenkinder, z.T. mit Hilfe unserer Vermittlung, aber ohne unsere Anwesenheit. Der Briefkontakt bleibt leider mühsam, da wir nur zweimal im Jahr Briefe überbringen und austauschen können. Es ist und bleibt ein unvergessliches Erlebnis, die Patenkinder zu treffen! Sie freuen sich immer so sehr!


 

Besuch der Patenkinder im November 2017

 

-          Die Anschaffung der Farmtiere war ein erfolgreiches Projekt, das aber 2016 unter der Jahrhundert-Dürre im südlichen Afrika sehr gelitten hatte: Nur wenige Tiere haben die Dürre überlebt. Die Kühe der Pontmain Primary School (PPS) wurden an PHS übergeben, da die Grundschule sie trotz wiederholter finanzieller Hilfe nicht am Leben halten hätte können.

 

 

Im März 2017 hatte YWC PHS mit 85.500,00 M bei der Neuanschaffung von Farmtieren unterstützt. Davon wurden sofort 450 neue Hühner gekauft. Inzwischen wurden auch zwei neue Kühe bestellt, deren Transport zur PHS immer wieder durch äußere Umstände verzögert wurde, z.B. durch den Ausbruch einer ansteckenden Kuh-Krankheit in Lesotho. Vom verbleibenden Betrag sollen weitere Schweine angeschafft werden.

-          Der 5000-Liter-Wassertank in der Farmtier-Anlage ist in täglicher Nutzung. Er konnte inzwischen an die Wasserversorgung des Jungeninternats angeschlossen werden.

-          PHS bat YWC um Apfelbäume, nachdem eine Apfelplantage mit 60 Apfelbäumen von der Kommunalen Klimapartnerschaft zwischen dem Leribe-Distrikt, Lesotho, und der Stadt Geestland, Deutschland, finanziert und im August 2016 trotz Dürre erfolgreich angepflanzt worden war. Nachdem PHS weitere 200 Apfelbäume vom gleichen Sponsor geschenkt bekam, konnten Spendengelder von YWC anders genutzt werden.

 

Bilder der erfolgreichen Apfelplantage, gespendet aus Bremerhaven

 

-          Das Toiletten-Biogas-System am Mädcheninternat ist in voller Nutzung. Bei unseren letzten Besuchen konnten wir Mädchen-Toiletten besichtigen, die richtig sauber und geruchlos waren. Leider waren aber alle Toilettensitze zerbrochen. Die Schulleitung bat YWC um neue, stabilere Toilettensitze, die wir im März 2018 lieferten und die während der Winterferien (also im deutschen Sommer 2018) eingebaut werden.

-          Alle Patenkinder im YWC-Patenschafts-Programm werden jedes Jahr mit ihren Schuluniformen versorgt. Dies beinhaltet einen warmen Trainingsanzug sowie die vorgeschriebenen grauen Schulkleider, die in Lesotho hergestellt, aber von YWC finanziert werden.

 

 

-          Seit am 15.02.2016 zum ersten Mal ein Mädchen-Tag an der Pitseng High School stattgefunden hatte, werden jedes Jahr alle bedürftigen Mädchen beider Schulen (PHS und PPS) mit jeweils einem Set waschbarer Monatsbinden versorgt, was sicherstellt, dass sie für die nächsten fünf Jahre keine Binden mehr kaufen müssen, dass kein riesiger Plastikabfallberg an den Schulen entsteht und dass die Mädchen in Würde am Schulunterricht und Alltagsleben teilnehmen können! Im März 2018 hat YWC erneut 80 Sets für neue SchülerInnen an beiden Schulen mitgebracht.

 

Ein Set waschbarer Monatsbinden                                       Mrs. Makabelo zeigt ein Set im Mädcheninternat

 

Hunderte von Wäscheklammern und -leinen zum Trocknen der Wäsche im Mädchen-Internat, die wir im März 2014 mitgebracht hatten, werden inzwischen fleißig genutzt. Es stellte sich jedoch heraus, dass ein spezieller Bereich blickdicht abgegrenzt werden muss, in dem die Mädchen ihre gewaschenen Monatsbinden ohne Scham aufhängen können. YWC hat einen Vorschuss an den Konvent bezahlt, der das Mädcheninternat betreibt, um mit der Anschaffung eines blickdichten Zaunes Abhilfe zu schaffen.


 

Blickdichter Schutz spezieller Wäscheleinen am Mädcheninternat

 

-          Der Lesotho-Kalender 2019 von Yes we care! e.V. wurde erneut mit Hilfe der Firma Eukamed erstellt und von der Firma Aumüller Druck aus Regensburg kostenlos gedruckt. Er eignet sich gut als Geschenk! Wir freuen uns über viele Bestellungen!


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Es fanden dieses Jahr auch Neuwahlen des Vorstands und der RechnungsprüferInnen für die nächsten vier Vereinsjahre statt. Alle drei Vorstandsmitglieder und beide Kassenprüfer erklärten sich erneut bereit zu kandidieren und wurden in ihrem Amt bestätigt..

 

Aussichten:


Für das aktuelle Vereinsjahr planen wir wieder vielen bedürftigen Kindern zu helfen:


Die Fertigstellung des zweiten Jungeninternats hat Priorität, um es den Jungen zu ermöglichen, unter menschenwürdigen Bedingungen zu leben und zu lernen. Zusätzlich zu den zwei Solaranlagen für Strom und heißes Waser wollen wir einen eigenen Brunnen für die Wasserversorgung sowie eine eigene Toilettenanlage für die vielen Jungen im Internat verwirklichen.


Der jährliche Hilfstransport ist wie jedes Jahr im März 2019 geplant.


Der Schwerpunkt unserer Hilfe ist das Patenschafts-Programm, das sehr erfolgreich darin ist, Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen, die sonst keinerlei Zugang hierzu hätten. Jede/r neue PatIn bedeutet ein Leben in Lesotho mit völlig neuer Perspektive und jede Anstrengung, neue PatInnen zu finden, ist hoch willkommen!


Die Patenschafts-Gebühren wurden seit 7 Jahren nie erhöht, obwohl die Kosten in diesem Zeitraum drastisch angestiegen sind, unter anderem wegen der hohen Kosten für die Ernährung der Patenkinder in der Zeit einer schrecklichen Dürre. Wir sind sehr dankbar für alle PatInnen und SpenderInnen, die uns durch eine freiwillige Spende dabei unterstützen, die Gebühren auch weiterhin beizubehalten und dennoch dieses wichtige Programm erfolgreich durchführen zu können!


Die Ernährungs-Situation in Lesotho hat sich nach der schrecklichen Dürre Gott sei Dank deutlich verbessert. Die Folgen dieser Dürre werden zwar noch jahrelang zu spüren sein, aber es hat wieder geregnet und die Felder tragen Ernte. Die Voraussagen für den nächsten Sommer im südlichen Afrika (also ab Herbst 2018 in Deutschland) sind jedoch leider sehr beunruhigend: Es scheint sich ein neuer El Ninjo zu bilden, der erneut zur Dürre führen könnte. Dies wäre eine Katastrophe für die Menschen, da sich bis heute die Wasserreserven nicht auffüllen konnten und eine weitere Dürre so kurzfristig nach den letzten zu noch schwerwiegenderen Ernte-Misserfolgen und Nahrungsmitteleinbußen führen werden!

 

Kinder in der Grundschule: viele werden nur mit Hilfe einer Patenschaft mit der Schule weiter machen können!!

 

Wir danken allen von ganzem Herzen, die sich für die Kinder in Pitseng einsetzen!

Wir freuen uns auf jede Mithilfe bei den Herausforderungen, die in diesem Jahr vor uns liegen!

 

 

Kea leboha! Vielen Dank!

 

 

 11. Yes we care! e.V.-Hilfstransport nach Pitseng am 07. März 2018


Am 07. März 2018 war es wieder soweit – der 11. Hilfstransport des Vereins Yes We Care ! e.V. fand statt. Dieses Jahr wurden Irina und Peter Lang von Eva-Maria John und ihrem Lebenspartner Rolf Siems begleitet, die beide Mitglieder des Vereins sind und zusammen ein Patenkind sponsern (für Eva-Maria John bereits das vierte Patenkind).


Außerdem dabei waren Angelina Mertens, Fachanwältin für Steuerrecht und gute Freundin der dritten Vorsitzenden des Vereins, Ulrike Völkmann, und Kristina Schütz, Mutter eines Schülers der Bischof-Manfred-Müller Schule in Regensburg. Diese Schule finanziert 2018 insgesamt 19 Patenkinder. Mein Name ist Riccarda Riedel und im Folgenden werde ich schildern, wie ich meinen ersten Hilfstransport und die Zeit in Lesotho erlebt habe.


Die Vorbereitungen…
In den Tagen vor dem Hilfstransport liefen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren – Süßigkeitenpäckchen und letzte Kisten wurden gepackt, Äpfel gekauft und Pullis abgeholt.


 

 Nachbarin Yvonne Le Brass (links) und Irina  André-Lang                        Jill Williams (links) strikt schon seit Jahren wunderschöne                                                                                                                                                                                 Wollpullis.

 

Als das Team für den Hilfstransport komplett war, blieb leider eine Erfahrung nicht aus, die mittlerweile bedauerlicherweise zum südafrikanischen Alltag gehört: Kristina und Angelina wurden mitten in der Nacht im Gästehaus auf Irinas und Peters Grundstück überfallen. Obwohl zum Glück niemand körperlich verletzt wurde, saß der Schock bei uns allen erst einmal tief, vor allem aber natürlich bei Kristina und Angelina. Nachdem wir uns einen Tag erholt hatten, viel geredet haben – auch mit Polizei und vielen Nachbarn – haben wir uns dazu entschlossen, das Programm wie geplant fortzuführen.


Am Tag vor der Abfahrt luden wir endlich alle Kisten, die sich im Haus von Irina und Peter befunden haben, auf die Hänger und fuhren zum Großhandel „Bargain Wholesalers“ in Port Shepstone. Dort war der Rest der Sachen – z.B. Schreib- und Schulsachen, Toilettenartikel, Decken u.v.m. – eingelagert und bereit, auf die Anhänger gepackt zu werden.


  

                Mitarbeiter von „Bargain Wholesalers“ und die             Bereit zur Abfahrt! (v. links: Angelina Mertens, Peter Lang, Kristina 

                         zwei fast fertig gepackten Anhänger.                                                        Schütz, Riccarda Riedel)



Die Fahrt…
Dann ging es endlich los! Die erste Etappe der Fahrt verlief völlig problemlos und wir konnten bei tollem Wetter die traumhaft schöne Landschaft bewundern. Unter anderem führte uns unser Weg durch den „Golden Gate Highlands National Park“, wo wir sogar ein paar Springböcke beobachten konnten.


            Die beiden Anhänger vor der schönen Kulisse -                                                        Vor dem „Golden Gate“. 
              auch große Pfützen waren kein Hindernis!                                                  (v. links: Irina, Angelina, Riccarda, Kristina)


 

In Clarens, einem kleinen Künstlerstädtchen kurz vor der Grenze zu Lesotho, wurde ein Nachtstopp eingelegt, damit wir am nächsten Tag gleich bei Grenzöffnung um 06:00 Uhr morgens nach Lesotho fahren konnten.

Am Abend war der Schreck dann aber groß, als wir bemerkten, dass einer der Anhänger einen platten Reifen hatte – so hätten wir auf keinen Fall weiterfahren können! Und ein Reifenwechsel bei dem vollbeladenen, ca. 3 – 4 Tonnen schweren Hänger war auch so gut wie unmöglich! Zum Glück sind wir gerade noch rechtzeitig zur Tankstelle in Clarens gefahren. Dort hatten die Mitarbeiter eigentlich schon Feierabend, haben sich dann aber sofort bereit erklärt, uns zu helfen und den Reifen zu flicken, als sie das „Yes We Care“-Logo gesehen haben. Das war wirklich wahnsinnig nett und hat unsere Weiterfahrt am nächsten Morgen gerettet!

 

    Unsere Retter beim Reifenflicken!


Am 07. März 2018 standen wir dann pünktlich um 06:00 Uhr morgens, leider bei strömendem Regen, an der Grenze. Nach kleineren Hindernissen, wie beispielsweise ein von den Beamten verlorener Schlüssel des Zollbüros bei der südafrikanischen Ausreise, haben wir es in nur knapp einer Stunde über die Grenze nach Lesotho geschafft – das war rekordverdächtig!

Von der Grenze aus fuhren wir ca. eine Stunde lang ins Landesinnere Richtung Pitseng. Die Szenen, die wir bereits auf dieser Strecke vom Auto aus beobachten konnten, waren sehr eindrucksvoll. Menschen, die trotz ihrer Armut eine unglaubliche Lebensfreude ausstrahlen, Kinder, die am Straßenrand entlang auf Eseln reiten, Frauen, die große Plastikkanister voll Wasser auf dem Kopf balancieren – trotz allen Widrigkeiten, strahlte alles eine große Friedlichkeit aus.

Dann wurde es nochmal kurz spannend für uns, als wir gesehen haben, in was für einem Zustand die ungefähr 5 km lange Zufahrtsstraße vom Ort aus zur Schule war. Der Regen hatte hier ganze Arbeit geleistet!!

Auch dieses Jahr wurden wir trotz des schlechten Wetters mit einem großen „Hallo“ begrüßt. Die Kinder sind uns schon weit vor der Schule mit vor Freude strahlenden Gesichtern entgegengelaufen und haben uns den Rest des Weges begleitet. Sogar selbst gebastelte Plakate haben sie mitgebracht und uns Kusshändchen zugeworfen.

Ich habe zwar schon öfter davon erzählt bekommen, dass die Kinder das ankommende Team so begrüßen, allerdings hätte ich mir nie vorstellen können, dass die Erzählungen nicht einmal ansatzweise das ausdrücken konnten, was ich in diesem Moment empfunden habe – einfach unbeschreiblich!!!

 



Unsere Zeit in Pitseng…

Das Ausladen der Hänger ging trotz des Regens ganz schnell. Die älteren Jungen haben eine Menschenkette gebildet und so wurden alle Kisten in die große Halle der Schule transportiert. Die freudige Erwartung der Kinder war überall zu spüren und hat uns natürlich angesteckt.


                                                          Peter Lang und einige der älteren Jungs beim Entladen der Hänger.


Nach dem Ausladen gab es erst einmal eine kurze Begrüßung von der Schulleiterin Mrs. Makabelo Tenane, die den Posten vor einem Jahr vorübergehend von Sister Alice übernommen hat, und eine kurze Ansprache von Irina, die von den Kindern mit tosendem Beifall begrüßt wurde.               

Danach kam einer der schönsten Teile: die Verteilung der Äpfel und der Süßigkeiten. Es war so schön zu beobachten, wie sehr sich die Kinder gefreut haben. Überall sah man Kinder, die sofort in einen Apfel bissen oder einen Lollipop im Mund hatten – und dabei natürlich die ganze Zeit gestrahlt haben.

   


Bei der Verteilung packt jeder mit an!

  

                                                                     Überall strahlende Gesichter!

 

 Damit die Allerkleinsten nicht so lange warten mussten, begann die Verteilung der Schulkleidung und Kuscheltiere bei den SchülerInnen der Pontmain Primary School.

 

 

Die Kids mit den wunderschönen Pullis, gestrickt von Jill Williams und Eva-Maria John und ihren Freundinnen.


Als nächstes stand die Verteilung der Schulkleidungspakete auf dem Programm. Die Lehrerinnen der Schule bestellen anhand von Listen, die sie von „Yes We Care! e.V.“ bekommen, bedarfsmäßig Schulkleidung für alle Kinder, die von Irina und einigen Helferinnen für jedes Kind individuell gepackt werden.

Nach einer kurzen Mittagspause standen für Irina Meetings mit den beiden Schulleiterinnen Mrs. Makabelo Tenane und Mrs. Mpho Makhalayane, Sister Helena, Zuständige für das Mädcheninternat, und mit Mr. Paku, dem Betreuer des von „Yes We Care! e.V.“ gebauten Jungenhauses an, zu denen ich sie begleitet habe. Es wurden Belange des Patenschaftsprogramms, der Pitseng High-School und des Jungeninternats besprochen.


    Meeting (v. links: Irina, Mpho, Makabelo, Sister   Helena).                  Irina und Mr. Paku, der Betreuer des Jungenhauses.

   

Leider hatte sich nur zwei Tage vor unserer Ankunft ein schlimmer Vorfall an der Schule ereignet, in den auch vier unserer Jungen aus dem Patenschaftsprogramm involviert waren. Als Folge ihrer Handlungen – sie hatten ein Mädchen geschlagen – mussten leider zwei Jungen aus dem Programm ausgeschlossen werden. Mit allen anderen Jungen wurde ausführlich gesprochen und auch im nächsten Help Lesotho Feriencamp wird das Verhalten zwischen Mädchen und Jungen erneut thematisiert werden.

 

 


Abends in unserer Unterkunft haben wir in der Gruppe natürlich viel über den Vorfall diskutiert, da es uns alle ziemlich beschäftigt hat.
Nachdem der Strom für längere Zeit ausgefallen war, fanden gleichzeitig die Abendbrotvorbereitungen bei Stirnlampenlicht statt
.

Am nächsten Tag in Pitseng haben wir alle Patenkinder aus dem „Yes We Care! e.V.“-Patenschaftsprogramm getroffen – mittlerweile 148!!!



Zunächst hielt Irina eine kurze Ansprache, in der sie nochmal dargelegt hat, wie wichtig Bildung und ein guter Schulabschluss sind. Die Kinder haben sehr andächtig zugehört. Anschließend bekamen die Kinder Briefe und Geschenke von ihren Paten ausgeteilt, worüber sie sich riesig gefreut haben.
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        Einige der Mädchen wollten unbedingt ein                                                       Große Freude über die Geschenke, die Paten

                 Foto mit Irina haben!                                                                                extra aus Deutschland geschickt haben!

 

Für uns war das ein besonderer Vormittag, da wir die Möglichkeit hatten, uns mit den Kindern zu unterhalten, was wirklich toll war. Sie haben ganz viele Fragen zu unserem Leben und unseren Berufen gestellt, und wie man in Deutschland zB. Ärztin/ Arzt oder Anwältin/ Anwalt wird. Man hat deutlich gemerkt, dass sie sich viele Gedanken über die eigene Zukunft machen und dankbar für jeden Tipp sind.  

 

 

    Stolz halten die Jungs ihre Briefe in die Kamera!                                  Eva-Maria John und Rolf Siems mit ihrem Patenkind.

  

   Kristina mit dem Patenkind der Schulklasse                                           Riccarda mit den beiden Patenkindern der Schule ihrer

                                                                                                                    Mutter, dem VHG Lindau (li.), und dem Patenkind
                                                                                                                    der Schule ihres Vaters, der Realschule Lindenberg 

 

Nachmittags standen für Irina nochmals Meetings auf dem Programm. Der Rest des Teams nutzte diese Zeit für einen kleinen Bummel durch Leribe, die nächstgrößere Stadt.

Da ich Grundschullehramt studiere, war das für mich die optimale Möglichkeit, um der Pontmain Grundschule einen Besuch abzustatten.
Die Kinder, die hier zur Schule gehen, kommen aus sehr armen Verhältnissen. Die Regierung übernimmt zwar die Schulgebühr, kommt aber nicht für Schulkleidung und Schuhe auf. „YWC“ unterstützt diese Kinder mit Schulkleidung und den Wollpullovern, da es in Lesotho im Winter bitterkalt werden kann.
Es war einerseits eine sehr erdrückende Erfahrung, zu sehen, unter welchen Bedingungen diese Kinder lernen und in was für einem Zustand ihre Kleidung war.
Andererseits war es auch sehr schön zu sehen, dass die Hilfe von „YWC“ genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird, wie viel Freude die Kinder am Lernen haben und mit wie viel Engagement die Lehrerinnen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

  

       Im Pausenhof: stolz präsentiert dieses Mädchen den                                     Normalerweise besteht die erste Klasse aus 28
        Pulli, den sie am Vortag von ZWC bekommen hat.                                            Kindern, aber wegen des Regens haben es nur
                                                                                                                                      diese neun in die Schule geschafft.


An unserem dritten Tag an der Pitseng High School gab es ein erneutes Meeting – diesmal aber mit Mr. Tsiu, der für die Solaranlagen am ersten Jungeninternat zuständig ist. Hier gab es leider immer wieder Probleme mit der Stromversorgung und dem Wassermangel.
Allerdings war das Gespräch sehr erfolgreich und informativ und es besteht die Hoffnung, dass in Zukunft eine 24-Stunden-Stromversorgung für das gesamte Internat sichergestellt ist.

 


 Nach dem Gespräch gingen wir mit Mr. Tsiu und Mr. Paku zunächst durch das fertige Jungenhaus. Was wir besonders rührend fanden, waren die liebevoll auf die Kopfkissen drapierten Kuscheltiere der Jungen.


 


Anschließend ging die Führung über die Baustelle des zweiten Jungeninternats, für das YWC unter anderem finanzielle Hilfe von den „Sternstunden e.V.“ erhält. Es ist größer als das erste und wir konnten uns schon gut vorstellen, wie alles aussieht, wenn es voraussichtlich im August 2018 einzugsfertig sein wird.


        


 

Da wir gerade schon in Schwung waren, was Besichtigungen anging, haben wir gleich mit einer Besichtigung des Schulgeländes weitergemacht. Es war schön zu sehen, dass die Apfelbäumchen mittlerweile schon Früchte tragen und dass die Kühe und Schweine sehr gesund und wohlgenährt waren.


        

Von dem Geld, das „YWC“ für Farmtiere ausgegeben hat, wurden zusätzlich zu den 450 Hühnern noch zwei weitere Kühe angeschafft. Eine soll den Namen Monika tragen und den Namen für die zweite Kuh durfte ich mir überlegen: ich habe mich für „Lerato“ entschieden, was das Sesotho-Wort für „Liebe“ ist.
Von den restlichen Spendengeldern werden anschließend weitere Schweine gekauft werden.


 

 

 Was uns wirklich schockierte, war der Zustand der Jungenunterbringungen der Pitseng High School. Hier leben knapp 24 Jungen pro Hütte auf engstem Raum, ohne Strom und ohne Wasser – teilweise müssen sie sich eine Matratze teilen. Das hat uns nur einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Bau der beiden YWC-Jungeninternate ist!!!

Sister Helena führte uns auch durch das Mädcheninternat, das von den „Sisters of Charity of Ottawa“ geführt wird. Auch durch die Schulküche führte uns unser Weg und wir durften sogar probieren – wirklich lecker!


  Einige Mädchen beim Wäschewaschen. Für das von                                   Die Angestellten in der Schulküche sind Eltern von drei

   YWC gebaute Toiletten-Häuschen haben wir noch                                                                          Patenkindern.
       einmal 8 neue Toilettenbrillen mitgebracht.  


Am letzten Nachmittag konnten wir noch einmal etwas Zeit mit den Jungen aus dem Internat verbringen. Die Jungen suchten das Gespräch mit uns, einige wünschten sich sogar, dass wir nochmals Fotos von ihnen für ihre Paten machen. Ein Junge führte sogar einen Tanz auf, den wir filmen und an seinen Paten weiterleiten sollten.
Sie haben viele Fragen gestellt und haben alle beteuert, wie sehr sie es das Patenschaftsprogramm und die Arbeit von „YWC“ schätzen!
Diese gemeinsame Zeit mit den Jungen hat auch uns gut getan, nach den schwierigen Ereignissen.
Wir hatten alle viel Spaß zusammen und vor allem die Selfie-Funktion meines Handys löste große Begeisterung aus.


 

 

Abends bekamen wir in unserer Unterkunft noch Besuch von Thabiso Phusumane, einem ehemaligen Patenkind. Er hat im Dezember 2015 an der Pitseng High School sein Abitur gemacht und studiert mittlerweile Computer Technologie an der Nationalen Universität in Maseru. Als er hörte, dass „YWC“ wieder einen Hilfstransport nach Pitseng gefahren hat, ist er extra über das Wochenende nachhause gekommen, um Irina zu treffen. Es war so schön zu sehen, dass das „YWC“-Programm solche Früchte trägt!!
Als wir ihm von unserem Plan erzählten, am nächsten Tag an den Katse-Stausee zu fahren, um ein bisschen mehr von Lesotho zu sehen, hat er gefragt, ob er mitkommen dürfe, da er noch nie dort war – und das, obwohl er im von Katse nur 90 km entfernten Pitseng aufgewachsen ist. Mr. Paku, der Betreuer des Jungenhauses, schloss sich uns ebenfalls an, was sehr schön war, da wir ihn dadurch besser kennen lernen konnten.


Irina und Thabiso am Katse-Stausee.


Auf dem Weg durch die Berge und Pässe kamen wir an kleinen Dörfern vorbei. Aus genau solchen Dörfern stammen viele der Patenkinder.
Die Landschaft war überwältigend schön und die Leute, denen wir begegnet sind, waren unglaublich aufgeschlossen und freundlich! Ich verstehe nun, warum Lesotho auch das „Königreich im Himmel“ genannt wird.


 

 

Die Zeit in Lesotho war sehr eindrucksvoll und prägend für mich. Ich bin wirklich dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte!!!

Kea Leboha, Yes We Care! e.V.
Vielen Dank, Yes We Care! e.V.